Das Kaufhaus


Frontansicht

Die Entstehungsgeschichte

Im Jahre 1864 gründete der aus Wien stammende Josef Bauer in der Museumstraße gegenüber dem Ferdinandeum sein erstes Handelsgeschäft, nachdem er in Meran und Innsbruck seit einigen Jahren Wäsche und Bekleidung verkauft hatte. Seine Familie stammte aus Mattersdorf, Burgenland. 1874 wurde das Geschäft in die Maria-Theresien-Straße 31 verlegt (heutiges Hotel Maria Theresia). Victor Schwarz kam aus Esseg, Slawonien. Er heiratete 1885 eine Tochter Josef Bauers und gründete im selben Jahr mit seinen Brüdern Hugo und Alexander die Firma Victor Schwarz & Co. Zuerst befand sie sich unter den Lauben neben dem Goldenen Dachl. Einen jahrelange, massive, antisemitische Kampagne gegen das Geschäft von Viktor Schwarz veranlasste die Stadt Innsbruck, den Mietvertrag aufzukündigen. Die Firmen Josef Bauer und Viktor Schwarz hatten schließlich ihren Standort links und rechts neben dem heutigen Kaufhaus Tyrol. Um 1905 begannen die beiden Firmen, ihre Häuser zu verkaufen und die Häuser 33 und 35 zu erwerben. Am 16. März 1908 eröffneten sie das Kaufhaus Bauer & Schwarz.

Fronteingang

Das Kaufhaus

Es galt als das größte und schönste Warenhaus Tirols und war aus dem Stadtbild Innsbrucks nicht mehr wegzudenken. Es soll das erste Haus in Innsbruck mit Stahlbeton und Zentralheizung gewesen sein. Der Verkaufsraum im Parterre im Ausmaß von 70 x 20 Metern war fünf Meter hoch und reichte schon damals bis zur Erlerstraße. Betrat man das Kaufhaus durch den Haupteingang, befand man sich in einer 18 Meter hohen glasüberdachten Halle mit einem Springbrunnen.
Diese Konstruktion sorgte im insgesamt dreistöckigen Kaufhaus für natürliches Licht. Der erste Stock war über eine große Eichentreppe zu erreichen. Dort befand sich die Hauptabteilung des Kaufhauses, die Konfektionsbekleidung. Es gab dort aber auch eine Konditorei sowie ein Lese- und Schreibzimmer. Der zweite Stock fasste die Großhandels- und Exporträume sowie die Büros für das kaufmännische Personal. Im dritten Stock waren das Schneideratelier und die Verkaufsräume der Händler eingerichtet. Die beiden letzten Stöcke konnten durch einen Aufzug erreicht werden.

Doch nicht nur im ersten Stock, auch im Tiefparterre fand der Verkauf statt, hauptsächlich für die verbilligte Ware. In diesem Untergeschoß lagen weiters die Lager, die Heiz- und Beleuchtungsanlagen, der Verpackungsraum und ein Erholungsraum für das Personal. Das Personal umfasste 200 vom Haus geschulte Angestellte. Die Firma Bauer & Schwarz war für ihren sozialen Geist und für ihren Kundenservice bekannt. Von Anfang an befolgte das Kaufhaus strikt zwei Prinzipien: Das Prinzip der niedrigen Preise und das der guten Qualität. Die hohe Warenabnahme Tiroler Erzeugnisse und die Eigenfabrikationen stimulierten die Innsbrucker Wirtschaft und sicherten den hohen Zufriedenheitsgrad der KundInnen. Das Kaufhaus wurde stets modernisiert. Die Wirtschaftskrise und Familienstreitigkeiten machten dem Unternehmen in den 1930er-Jahren zu schaffen.

Jüdische Geschäfte in Innsbruck (Projekt am Abendgymnasium Innsbruck)